Frauen-Schach WM Viertelfinals:
WGM Tan, Zhongyi, China 2502 vs. Ju, Wenjun, China 2583 1:0,
Gesamtscore 1 1/2 : 1/2, Tan weiter
Die Favoritin Ju führte in dieser Partie weiss und kam ansprechend aus der Eröffnung heraus. Offenbar hatte sie aber diese Variante in der Vorbereitung nicht auf dem Brett. Bereits im 15. Zug, gab es eigentlich nur einen Zug: d6! der in etwa Gleichstand sicherte und alle anderen Züge führten zu einer merklich schlechteren Stellung. Jus Zug Se5?! ist imo denn auch der Anfang vom Ende. Irgendwie muss sie die Replik Lf5 übersehen haben. Wies im Schach oft passiert, patzte sie nach Lf5 gleich nochmals. Offenbar sah sie den "blunder" und legte mit g4?! gleich nochmals nach. Tan spielte mit Lc2! die Widerlegung und erspielte sich grossen Vorteil. Jus Abtausch mit T gegen Läufer und Springer ist normalerweise besser für Weiss, da in der Regel Läufer und Springer mehr wert sind als ein Turm. Hier hatte aber Schwarz deutliche Entwicklungsvorteile und konnte diese in der Folge gut ausnützen. zwischenzeitlich spielte Ju sogar mit 2 Springern, 1 Läufer und Turm und 2 Minusbauern gegen 2 Türme Tans. Diese konnte die mehr als unglückliche Figurenkonstellation Jus aber mittels einer petite combinaison sofort ausnutzen. Ju kämpfte noch ein paar Züge weiter. Nach einem Ablenkungsschach Tans winkte ein Endspiel Turm und Mehrbauer (3/3 u. 2/1 auf den Flügeln) gegen Springer, was auf dieser Stufe absolut hoffnungslos ist, weshalb Ju aufgab. Durchaus ein überraschendes Ergebnis. Tan hat sich im Verlaufe der Wettkämpfe als zähe Kämpferin erwiesen und steht im Halbfinal.
GM Harika Dronavalli, Indien 2539 vs. Dzagnidze, Nana, Georgien 2525
Gesamtscore 2 1/2 vs. 1 1/2, Dronavalli weiter
In der 2. "normalen" Partie wählte die 0:1 zurückliegende Georgierin eine ausgefallene Eröffnung und verliess früh die ausgetrampelten Pfade. Dies erwies sich aber in der Folge bloss als Zugsumstellung und es entwickelte sich eine Stellung die vom Typus her bekannt ist. Nach Dzagnidzes 20. Lxd5 sah ich weiss besser und mit einem gesunden Mehrbauern. Zu Unrecht, wie mir das Schachprogramm zeigte. Dronavalli zog das schablonenhafte Td8 und ... verpasste einen taktischen Trick: Lxe3!!, klar, dass ein schachprogramm sowas sieht. für menschen ist das sehr schwer zu berechnen. Würde nun Dzagnidze den Mehrbauern zum Sieg verwerten können? Dronavalli gelang es beide Läufer abzutauschen und in ein Turmendspiel abzuwickeln. sogleich kam mir Walsch`s : Turmendspiele mit einem Bauern mehr sind remis - Turmendspiele mit einem Bauern weniger sind verloren oder auch die andere Schachweisheit: Turmendspiele sind immer remis in den Sinn. Nundenn: imo spielte das Dronavalli nicht besonders gut. Auf der anderen Seite gelang es Dzagnidze mit dem König ins feindliche Lager einzudringen, was in solchen Endspielen entscheidend ist, insbesondere, wenn der gegnerische König nicht aus den Puschen kommt. Zum Schluss zeigte Dzagnidze gute Endspieltechnik und konnte zunächst auf 1 zu 1 ausgleichen.
Für die 3. Partie hatte Dzagnidze die sizilianische Eröffnung vorbereitet, in dem sie auf Dronavallis eröffnungszug e4 c5 antwortete. es entwickelte sich eine ausgeglichene Stellung, als sich Dzagnidze mit 20 Tac8?! eine kleine Ungenauigkeit erlaubt. Te7 !? mit der Absicht die Türme auf der e-linie zu verdoppeln wäre wohl der bessere Plan gewesen. Dronavalli revanchierte sich im 27. Zug als sie das starke f5! verpasste und stattdessen das bescheidene h3 zog. Nimzowitsch hat schon anno tubak auf den hebel aufmerksam gemacht und es ist mir ein Rätsel wieso Dronavalli nicht f5 zog. nach 35 gxf5 sieht der compi das ausgeglichen. Ich teile diese Ansicht nicht. Zwar hat Schwarz einen Freibauern, aber der weisse König ist gut zentralisiert, die Bauern gefährlich aufgestellt. der weisse Turm ins schwarze Lager eingedrungen. In der Folge spielte das die Inderin Dronavalli gut zu Ende und gewann die erste Rapidpartie.
In der 4. Partie musste also Dzagnidze mit Weiss kontern, wollte sie im Wettbewerb bleiben. Sie wählte einen c4, g3, Lg2 aufbau und kam gut in die Partie rein. Im 11. Zug verpasste sie das starke Sg5! was ihr durchaus Chancen eingeräumt hätte. Kann mir nicht vorstellen, dass sie sowas in der Vorbereitung nicht gesehen hätte, sodass ich glaube, dass die Stellung nicht vorbereitet war. stattdessen zog sie Lb2?! was zwar den Läufern entwickelt, aber deutlich schlechter ist. Im 23. Zug dann wohl die entscheidende Szene: Dronavalli bot Damentausch an und .... Dzagnidze durfe nicht abtauschen, da ihr ein remis ja nichts half. Die Vermeidung des Damentausches verschlechterte aber ihre Stellung. Nur wenig später war Dzagnidze derart in der Bredouille, dass sie ihrerseits Damentausch anbot, was von Dronavalli dankend angenommen wurde. Dzagnidze stand da deutlich auf Verlust. In Verluststellung Dzagnidzes wurden dann die Züge wiederholt, sodass sich die 2 auf ein gütliches Remis einigten und sich Dronavalli den Sieg im Duell sicherte.
GM Anna Muzychuk, Ukraine 2558 vs. GM Stefanova, Antoaneta, Bulgarien, 2512
Gesamtscore 1 1/2 : 1/2, Muzychuk weiter
Nachdem Muzychuk die 1. Partie gewann, musste Stefanova mit Weiss unbedingt gewinnen. Stefanova eröffnete denn auch unkonventionell, was ihr aber zunächst keine Früchte eintrug: sie stand leicht schlechter. Immerhin konnte sie die Rochade Muzychuks verhindern und auf Taktiken hoffen. In der Folge verschmähte Muzychuk den Turm auf f6 (vermutlich fälschlicherweise), da ihr ein König in der Mitte wohl nicht behagte. Das Rausschlagen des Läufers bescherte Antoaneta jedenfalls Gegenspiel und liess sie in Vorteil kommen. Trotzdem behielt Muzychuk kühlen Kopf, tauschte ab, was abzutauschen war und erhielt ein Turmendspiel mit minusbauer. Stefanova spielte das Turmendspiel aber nicht präzis, verlor einen Bauern und es entstand eine Stellung die tot remis war, weshalb sich die 2 auf ein remis einigten.
GM Kosteniuk Alexandra, Russland 2549 vs. WGM Ni, Shiqun, China 2399
Gesamtscore 1 1/2 : 1/2 Kosteniuk weiter
Nach einem remis in der ersten Partie hatte Kosteniuk nun die weissen Steine und somit Anzugsvorteil. Ironischerweise wählte die Chinesin die .... russische Verteidigung. Nach Nis 16. b6?! hätte Kosteniuk g4!! ziehen können, verpasste aber diesen starken Zug. nach div. Abtausch hätte wohl manch einer nach 23. Zügen auf ein friedliches remis gesetzt. Der Russin gelang es aber, leichte Vorteile zu akumulieren und sich einen gefährlichen Freibauern zu sichern, wohingegen die Chinesin etwas blockiert erschien. Das Endspiel, welches aus dieser Position entstand ist zweifellos für einen Kenner ein Leckerbissen. Unglaublich, wie zäh und einfallsreich beide Parteien das spielten.
Schnell war klar, dass Kosteniuk da gute Gewinnchancen hat, aber der smarten Chinesin gelang es immer wieder, die Russin vor Probleme zu stellen. Langsam aber sicher drang Kosteniuk mit König in die gegnerische Stellung ein um sich so den Sieg zu sichern. Kein einfaches Endspiel mit zig Schwindelchancen und trotzdem hat Kosteniuk das gewonnen. Respekt. Die Schlussstellung ist eine absolute Schönheit. Im Grunde kann Ni hier ziehen was sie will, es geht immer was verloren oder sie wird gar matt gesetzt. Ni darf mit dem Turnier zufrieden sein. Sie hat Hochkaräter rausgeworfen und gut gekämpft.
die partien gibts hier :
https://chess24.com/de/watch/live-tournaments/fide-womens-world-championship-2017/4/4/2
http://de.chessbase.com/post/frauen-wm-harika-schlaegt-dzagnidze
z.T. ganz lustige Schachzitate:
http://www.schachsinn.de/zitate.htm