Teilweise kann man Profiboxer in zwei Kategorien unterteilen. Da gibt es die einen, die ihren Sport lieben und leben und dann gibt es diejenigen, die ihren Sport einfach nur betreiben, weil sie damit Geld verdienen (wollen).
Mayweather mag eine Pfeiffe sein, aber er entstammt einer Boxer-Familie, ist mit dem Boxen aufgewachsen und lebt den Sport auch irgendwo.
Ein Felix Sturm mag sich durchaus im deutschen Fernsehen als der erstaunliche (Ploog-O-Ton) Wunderknabe darstellen lassen, der er garnicht ist. Nichtsdestotrotz kriegt er wohl feuchte Augen, wenn er auf Mayweather vs Pacquiao angesprochen wird.
Ich erinnere mich im Gegensatz z.B. an einen Stipe Drews, der selber einmal in einem Interview kund gegeben hat, dass er das Boxen garnicht mag. Für ihn ist es "nur" ein Job, um Geld zu verdienen. Kaum hatte er einen sogenannten WM-Titel erboxt, da ließ er sich für ein nettes Geld-Sümmchen nach Australien locken. Gegen Danny Green wirkte er dann ziemlich lustlos und zeigte wenig von dem, was er vorher in anderen Kämpfen präsentierte. Alsbald setzte er sich mit dem Geld dann zur Ruhe.
Ibragimov boxte sich auch hoch und kaum hatte er nach der Titelvereinigung mit Klitschko gut Geld eingestrichen, da hing er die Handschuhe an den Nagel.
Solis ist für mich einer, der auch nur mit dem Boxen begonnen hat, um damit seinen Lebensunterhalt zu verdienen. Auf mich machte er nie den Eindruck, dass er seinen Job "mag". Eher wirkte er im Ring zuweilen so mürrisch wie ein übergewichtiger Maurer am Montag-Morgen.
Als Amateur in Kuba war Solis' Situation eine ganz andere. Erfolge brachten Privilegien und Ansehen und machten sie erstrebenswert.
Kaum gelang Solis die Flucht, da hatte er schon schnell ein paar Kilos zugelegt. Noch bevor er das erste Mal im Profiring stand, da hatte er bei der ersten Pressekonferenz schon mehrere Goldkettchen um den Hals hängen.
Manch Profi boxt sich nach oben. Solis wurde schnell mit Gegnern in den Ring gebracht, die ihn schon bald in das WBC-Ranking brachten.
Er bekam viele Vorschusslorbeeren. Aufgrund seines Könnens als Amateur war die Erwartungshaltung groß und Solis bekam für Kämpfe gegen Journeyman vermutlich einen besseren Obulus als so manch anderer "Anfänger" im Profigeschäft.
Das Geld schwamm ihm entgegen, ohne dass Solis sich anfangs groß strecken musste. Im Zweifel sprach Öner auch gerne davon, dass Solis großes Potential habe, sich bald fitter präsentieren wäre und dann noch viel besser sei ... und so weiter.
Das Pferd spring nur so hoch wie es muss? Nunja ... in der kapitalistischen Welt musste Solis nicht allzu hoch springen.
Solis kommt verspätet zu den Trainingseinheiten und wird zunehmend fetter ... aber Öner hält ihm die Stange und glaubt weiter daran, dass Solis sich irgendwie ändern wird.
Öner hat einen Apruch an Solis, dass dieser einen Thompson einfach schlagen muss. Ein Veteran, ein Gatekeeper ... aber einer der erkennbar in die Jahre gekommen ist und weniger drauf hat als wie 2007/2008 gegen Krasniqi und Klitschko.
Öner nimmt an, dass Solis die Fähigkeit hat, Thompson zu besiegen. Solis ist nicht wie Price ... er scheint sich nicht mental verunsichern zu lassen.
Öner hofft darauf, dass Solis ähnlich boxerische Qualitäten zeigen kann wie Pulev gegen Thompson.
Spätestens nach Takam gegen Thompson sieht Öner, dass jener alte Hase durchaus schlagbar ist ... mit einem einfachen Gameplan. Ein topfitter Solis ist vermutlich nicht schlechter als Takam. Aber kann Solis dessen Marschroute gehen? Wohl kaum.
Solis sprach im Vorfeld davon, dass die Niederlage gegen Thompson schmerze und er sich freut die Chance auf eine Revanche zu bekommen. Aber merkt man beim Rückkampf, dass Solis dies wirklich nutzen will? Kaum...
Nein ... Solis wirkt auf mich bei den Boxern wie ein Arbeiter. Aber eher wie ein fauler, der sich damit zufrieden gibt, dass er Geld kriegt, ohne dass er gut abliefern muss. Nach der Verletzungssache gegen Klitschko ist er entgültig satt ... überzeugt schon gegen Larsen und Saglam nicht.
Solis zählt, denke ich, nicht zu den Boxern die auch Boxfan sind. Diejenigen die zu anderen Kämpfen gehen und andere Boxer anfeuern. Diejenigen die sich Kämpfe angucken und frühere Stars anhimmeln und ihre Idole nennen.
Apropos ... ich glaube kaum, dass sich Solis mal Thompson-Takam oder Thompson-Pulev angeguckt hat ... geschweige denn ein Tape seines eigenen ersten Kampfes gegen Thompson.
Nun habe ich aber gelesen dass Öner Solis weiterhin unter Vertrag haben wird und ihn für jedes Talent zum Fraß vorwerfen wird das etwas Geld bietet, ihn quasi als Journey-man rumschickt... Da zeigt sich mal wieder die dunkele Seite Öners. Lass den Mann einfach gehen, man kann als Boxer nicht noch eindeutiger sagen dass man nicht mehr will aber Öner ist halt Öner.
Ach der arme Solis.
Die meisten hätten ihn schon vorher aufgegeben. Zumindest jedoch nach der ersten Niederlage gegen Thompson.
Nach der Niederlage gegen Klitschko hatte Solis noch den roten Teppich ausgebreitet bekommen. Öner baute Airich mit auf, der sich gegen Pala wieder in blühendere Gefilde geboxt hatte und prompt wurde Airich dem Solis zum Fraß vorgeworfen.
Wenn Solis nicht mehr will ... soll er halt aufhören. Öner kann es nicht ändern, wenn Solis nicht mehr in den Ring steigen will.
Wenn Solis aus Geldnot doch wieder in den Ring steigen will/muss und Öner ihm nur Kämpfe gegen starke Leute gibt, die einen vermeintlichen Journeyman suchen, dann liegt sich durchaus in Solis' Selbstverantwortung, ob er sich dabei tatsächlich als Journeyman gebart, oder ob er dabei noch eine Chance sieht und diese ergreift. Man denke da z.B. an Price gegen Thompson.
Hat Solis denn schon so viel verdient, dass er ausgesorgt hat?
Ich schätze mal Solis hat in seiner Karriere mehr Geld verdient als z.B. Tony Thompson.
Von den 1,8 Millionen Dollar für den Klitschko-Kampf wird er sicher auch einen guten Anteil gesehen haben ... und das ist nur einer der Kämpfe in seiner Karriere.
Thompson hat da in zwei Klitschko-Kämpfen zusammen weniger bekommen.
Es ist Aufgabe eines Promoters gute Namen zu besorgen, die vom eigenen Mann aufgrund des Style-Faktors vorteilhaft sind. Das Thompson ein Stolperstein ist, haben doch Kämpfe wie den Superhype Price in England usw. gezeigt. Der Typ ist sehr groß, sehr lange Arme und hat solide Kondition. Wer da einen Reichweitennachteil hat und dann konditionell einbricht, sieht gegen so eine Laterne kein Land mehr.
Solis boxt doch gut für 3R und ist dann platt. Da stelle ich ihn nicht gegen einn Mann, der gerade im letzten Drittel seine Gegner ins Schwitzen bringt. Solis ist doch für den Abbau in der 2. Hälfte bekannt. Das Publikum ist doch sowieso unwissend. Da nehme ich keinen der Masse unbekannten unangenehmen Mann wie Thompson, sondern irgendeinen, der zum Verlieren kommt oder zumindest vom Style her den Schwächen des eigenen Mannes keine Probleme bereitet.
Vom Style her ist für Solis alles vorteilhaft, was nicht oder nur unwesentlich größer gewachsen ist als er selbst. Gegen große Boxer tat er sich immer schwer ... ob nun Leif Larsen, Ray Austin oder gar der ziemlich mäßige Julius Long.
Wenn's danach geht, hätte Solis im Cruisergewicht boxen müssen/sollen. Jenes Gewicht hatte er auch mal drauf als Amateur.
Seine Reichweiten-Nachteile nutzt Thompson eher weniger. Gegen Price so garnicht.
Price und Solis sind schwerlich zu vergleichen, ihr Scheitern an Thompson hat auch jeweils ziemlich unterschiedliche Gründe.
Öner's Anspruch an Solis ist nunmal, dass er boxerisch nicht weniger drauf hat als ein Kubrat Pulev. Wenn er dazu noch nach vorne gehen könnte wie ein Takam, dann hätte Thompson gegen Solis schlecht ausgesehen.
Aber Solis ist in Sachen Trainingsfleiß und "Marschieren" ziemlich das Gegenteil von Boxern wie Takam und Arslan.
Wenn man wirklich nach oben will, dann muss man an einem gealterten Thompson vorbei kommen. Takam hat gezeigt, wie dies möglich ist.
Dass er erfolgreicher war, liegt aber nicht an Takams oder Solis' "Style", sondern an der Einstellung.
Ohne einen Boxer kann der Promotor gar nichts machen und hätte ein Einkommen von 0,0. Der Promotor ist auf den Boxer angewiesen, der Boxer aber theoretisch nicht auf den Promotor.
Klar, ich kann auch etwas am PC konstruieren ohne einen Job zu haben und kann argumentieren, dass mein Chef einen Konstrukteur braucht, damit der Kram (den ich mache) erledigt wird. Aber dadurch gewinne ich auch kein Geld.
Selbst wenn man als Boxer nur als Gast unterwegs ist ... irgendwen braucht es immernoch, der die ganzen Veranstaltungen auf die Beine stellt und letztlich über die Bühne bringt.
Bands können auch Musik spielen wo und wann sie wollen. Aber wollen sie gut Cash machen auf der Bühne, dann geht das nunmal am besten, wenn da eine ordentliche Veranstaltungsfirma hinter steht.
Natürlich ist das Verhältnis zwischen Boxer und Promoter nicht das gleiche wie zwischen mir und meinem Chef.
Nichtsdestotrotz hat Solis dank Öner genauso Geld verdient, wie Öner sich erhofft hat mit Solis gut Geld zu machen. In dem Sinne ist es irgendwo verständlich, dass da einer mal enttäuscht ist, wenn der andere nicht die Leistung bringt, die er sich von ihm erwartet.
Wenn ich ****** baue, ist mein Chef auch nicht begeistert.
Solis war nie besonders talentiert, er ist das beste Beispiel dafür dass Amateur und Profiboxen völlig unterschiedliche Welten sind. Die Unterschiede waren früher mal deutlich geringer, sind aber durch Regeländerungen ins unermessliche explodiert wovon Solis als Amateur profitiert hat.
Ich weiß ... du schreibst dir gerne deine eigenen und häufig exklusiven Wahrheiten zurecht, welche du dann auch rhetorisch gut umschreiben kannst.
Dennoch, zuweilen sind deine Aussagen gerne extra provokant auf die Spitze getrieben.
"Besonders talentiert" ... wer ist dies schon?
Talentiert ist/war Solis zweifelsfrei. In gewissen Phasen seiner Profikarriere (und nicht nur in seiner Amateurkarriere) hat er eine sehr gute Mischung aus Schlaggeschwindigkeit und -präzision gezeigt ... so wie es viele andere Schwergewichtler nicht vermochten.
Seinen Talenten standen seine Schwächen ("Schwabbel") halt stark entgegen.
Das ändert aber wenig daran, dass er mal ein technisch starker Boxer war ... dies anzuwenden ist halt nur eine andere Frage.
Solis' Styl ist nun auch nicht unbedingt Amateur-Boxschule. Man schaue sich alleine den ersten Kampf zwischen Solis und Thompson an.
Beim Profiboxen gewinn Solis damit einige Runden dank "besserer" Treffer.
Im Amateurboxen nach den Regeln, nach denen Solis auch damals boxte, sammelt ein Thompson dank der Vielzahl an Schlägen und Treffern deutlich mehr Punkte.
Deine Argumentation wirkt in Hinblick auf Solis und Thompson gerade zu absurd, wenn man bedenkt, dass Solis sich gegen Thompson eher auf die Einzelaktionen konzentrierte, während Thompson die Kämpfe über die Anzahl der Schläge für sich zu entscheiden suchte.
Das Superlativ des "besten" Beispiels für den Unterschied zwischen Amateur- und Profiboxen ist Solis zweifelsfrei auch nicht.
Denn er hat nicht gerade den Boxstil eines Amateurs ... wie z.B. ein Culcay.
Thompson war schon immer der bessere Boxer, die einzige Chance von Solis wäre gewesen wenn er körperlich fitter als dieser wäre.
Was definiert denn einen guten Boxer? Die Technik? Das Schlagprogramm? Das Gesamtpaket?
Vielleicht gewinnt Thompson 9 von 10 Kämpfen gegen Solis ... aber ist er deswegen technisch besser? Ist er etwa talentierter?
Solis hat die Anlagen, er ist "boxerisch" gut, wie man es ausdrücken könnte. Aber sein Gesamtpaket schleppt halt eine gehörige Portion mangelnder Fitness mit.