Blindness
Nach City of God und The Constant Gardener erst der dritte Film von Fernando Mereilles, den ich gesehen habe. So unterschiedlich und doch alle mit dem zentralen Thema des Auf-sich-allein-gestellt-seins.
Im neuesten Werk des Brasilianers greift eine Epidemie um sich, die zu akuter Blindheit führt. Woher die Krankheit kommt und was sie auslöst, wird glücklicherweise nicht groß thematisiert, es stehen die sozialen Nebenwirkungen, die Aufhebung bestehender Strukturen im Vordergrund.
Die Menschen werden auf ihr Innerstes reduziert, Vergangenheit gibt es kaum, nicht eine Person wird mit dem Namen vorgestellt - Es gibt keine Namen, es gibt nur Attribute, das erwähnte Innere kehrt sich nach Außen und nimmt die vormalige Rolle des Namens an.
Blindheit im Film ist oftmals etwas sehr befremdliches, hier aber optisch beeindruckend realisiert, indem mit Vorsatz gegen Konventionen gefilmt wird. So wird hervorragend mit Unschärfe und Kadrierung, der Aufteilung des Bildausschnitts, gespielt.
Ein Beispiel: In einer Szene stehen die handelnden Personen im Unschärfebereich am Rande des Bildes, während in der Mitte ein unwichtiges Etwas, ich glaube es war ein Bettgestell, scharfgestellt ist.
Schauspielerisch stark, allen voran Julianne Moore mit ihrer vielleicht besten Leistung, kreativ und hochklassig fotografiert und mit dystopischen Ansätzen versehen, verlangt der Film dem Zuschauer auch ein gewisses Maß an Leidensfähigkeit ab. Teils geht es doch recht heftig zu, ohne glücklicherweise optisch zu explizit zu werden.
8/10