O.J.: Made in America
Sicherlich eine der besten Dokus, die ich seit langer Zeit gesehen habe. Die Affäre um OJ wird in Verbindung gesetzt zu den sogenannten "Rassenunruhen" in LA Anfang der 90er Jahre und der Behandlung von Afro-Amerikanern durch die LAPD, was ja auch heute in den USA ein durchaus aktuelles Thema ist.
Ich kannte mich in dem Fall so semi aus (mal ne kürzere Doku gesehen, Wikipedia, aktuelle Nachrichten um OJ) aber der Film gibt da einen wesentlich tieferen Einblick (Dauer knapp 8 Stunden, dabei an keiner Stelle zu lang) und wählt auch einen wie ich finde interessanten Ansatz, den ich so noch nicht hatte. Grundthese ist, dass OJ während und nach seiner Sportkarriere bis zu dem Verbrechen 1994 quasi "weiß" geworden war, seine Verteidigung aber quasi alles auf die "Race-Card" setzte und ihn in dem Mord-Prozess wieder "schwarz" machen musste, um ihn dann von einer Pro-Afro-amerikanischen-Jury rausboxen zu lassen, als Rache an dem Vergehen der LAPD gegen die schwarze Community in LA.
Was während der Verhandlungen und dem Prozess dann insgesamt ablief in LA und den ganzen USA ist teilweise unvorstellbar: Welch schmutzige Wäsche seine Verteidigung während des Prozesses wusch, welche Fakten von der Jury ignoriert werden, wie der Strafprozess quasi auf das Niveau einer Perry Mason-Folge abrutscht. Alles insgesamt sehr verrückt, genau wie die Entwicklung um OJ nach dem Freispruch.
Ich bin mir zu 99,99% sicher, dass OJ die Morde damals begangen hat, der Film stellt es aber anschaubar dar, wie es trotzdem zu einem Freispruch kommen konnte, ohne nur "Justiz-Skandal" zu schreien, der es natürlich aber irgendwie trotzdem war.
Die Doku legt zudem auch einen Blick auf die Leute um OJ (Anklage, Verteidigung, Freunde, Familien der Opfer) und zeigt auch sehr schön auf, wie dieser Prozess Karrieren und Leben zerstörte.
Von mir eine unbedingte Empfehlung.
Hier noch eine mMn passende Kritik.
9/10
The Revenant
Hier bin ich etwas spät dran. Kurz gesagt: Bilder, Kamera fantastisch, ich brauch bei einem Film aber etwas mehr. Fand es insgesamt trotz der Bilder etwas langatmig und kann im Nachhinein auch den Oscar für Leo nicht wirklich nachvollziehen. Er spielt halt quasi zwei Stunden lang einen sterbenden Menschen, was ich dann für eine Oscar-Performance doch etwas einseitig finde.
6/10
Doctor Strange
Im besten Sinne unterhaltsam und mal nicht mit einem typischen Endkampf quasi aller anderen Marvel-Filme (viele kleine nutzlose irgendwas gegen einen oder mehrere übermächtige Helden, hauptsache es geht viel kaputt). Das fand ich hier wirklich gut, ohne dass man natürlich von einer Storytelling Meisterleistung sprechen kann. Aber zwei Stunden sehr gut unterhalten, da kann man nicht meckern.
8/10