2020 hat eben viel überdeckt und auch da hätte man in jeder Runde auch ausscheiden können (na gut, gegen Chelsea nicht). Danach hat man erst mal Qualität abgebaut und hat sich zum Teil einfach auch blenden lassen. Ich hoffe, man schaut jetzt hin. Ich brauche keinen rollenden Köpfe, sondern kluge Schlüsse mit kühlem Kopf. Wie ich hier noch zu Nagelsmann-Zeiten schon mal geschrieben habe, glaube ich.
Du sprichst die Gründe richtig an, ziehst daraus dann den Schluss, dass man kluge Schlüsse braucht ohne rollende Köpfe. Das Problem ist, dass der Sportdirektor in der Vergangenheit nicht immer kluge Schlüsse zog und die Arbeit der anderen, die durchaus kluge Schlüsse ziehen können (da nehme ich jetzt auch Kahn mit ein), damit konterkarierte. Das haben die letzten fünf Jahre gezeigt.
Die 2020er Saison überdeckte tatsächlich vieles. Der ungeliebte Flick als Trainer war ein punktueller Glücksfall und die Transfers hat damals noch Rummenigge machen müssen, ansonsten stünde man heute mit Hudson-Odoi da.
Es ist wie es ist. Ein Verein wie der FC Bayern sollte meines Erachtens jetzt im Sommer auf der Sportdirektorenposition einfach die Reißleine ziehen. Es kann nicht mehr angehen, dass man bei all den positiven Voraussetzungen, sowohl finanziell, Standort, Sponsoren, Stadion, globaler Fanbase usw. und bei all der Arbeit die 1200 Angestellte im Verein bringen, sich auf dem wohl wichtigsten Sessel einen allenfalls durchschnittlichen Sportdirektor leistet, mit dem man letzten Endes seit fünf Jahren sportlich nur stagniert und an einem Punkt verbleibt, an dem man völlig zu Recht nicht über ein CL-Viertelfinale rauskommt oder nur mit Losglück (für Milan hätte es gestern wohl noch gereicht). Dazu schlingert man in einer unterirdischen Bundesliga herum und schafft keine überzeugenden Meistertitel mehr. Irgendwann muss der sportliche Leiter auch mal die Verantwortung tragen und das heißt nicht mehr medienwirksames Gelaber und Bildzeitungsbuddies für sich in Stellung bringen, sondern raus. Ende. Da hab ich nach dem Nagelsmannfiasko und gestern keine andere Meinung mehr und ich lass mich auch nicht mehr von zukünftigen Transferperioden einfangen. Hamsterrad brauchts nicht. Brazzo hatte jetzt genügend Chancen und soviel Spielraum und soviel Geld zu verpulvern und so viel Unterstützung seitens der Granden im Verein wie kein anderer vor ihm und unterm Strich hat man es nur geschafft, den Status von 2017/18 bis heute zu verwalten.
Man ist einfach seit Jahren nicht mehr gut genug, man entwickelt sich so gut wie gar nicht und man muss sich da nichts mehr schön reden. Die Trainer machen eher den Eindruck einen Scherbenhaufen möglichst klein halten zu müssen und letztlich aufzukehren. Nach einer Transferphase in der man soviel ausgab wie nie zuvor muss der Trainer im folgenden April in der heißen Phase letztlich eine Not-OP und Back to the roots an der Mannschaft vollführen wenn es gegen ManCity geht.....das kanns nicht sein.
Will man sich jetzt unter einem Hammertrainer wie Tuchel wieder andauernde Lehrjahre und unausgegorene Egonummern leisten? Dann kann man Tuchel im Sommer auch gleich wieder weiterschicken und irgendeinen nächsten Projekttrainer holen, der macht was Brazzo will. Man verschenkt die Zeit, man verschenkt das hart erwirtschaftete Geld, man verliert in Europa einfach unnötig den Anschluss. Selbst die abgefeierte Transferphase im letzten Sommer ist Stand jetzt unterm Strich ziemlich relativiert. De Ligt ist der einzige Transfer der eingeschlagen hat und weiterbringt. Mané, Gravenberch, Mazzraoui, Tel haben keinerlei Rolle diese Saison gespielt. Das ist Fakt. Das heißt nicht, dass die nix werden, aber sie bringen bis jetzt halt auch nix. Sie machen nicht den Eindruck, dass die plötzlich leistungsmäßig explodieren und den verlorenen Anschluss in Europa nächste Saison wettmachen. Die Trainer benutzen diese Spieler nicht, weil sie offenbar nicht gut genug sind, sondern setzen auf die Spieler die schon länger da sind.
Die Lösung sollte so aussehen, dass man Tuchel selbst die Sportdirektorenposition anvertraut und der einen Hiwi von sich installieren darf (der muss ja kein Vorstand werden). Wenn das dann in ein paar Jahren schief geht und Tuchel auch gehen muss, dann kann man sich ja wieder irgendeinen mit Stallgeruch aus der 2013er-Mannschaft holen. Thomas Müller wäre z.B. prädestiniert dafür.
Alles in allem hoffe ich, dass der Tegernsee heute Nacht nicht geschlafen hat und innerlich den Daumen senkt. Dass gestern ein nicht ausgewogener Kader verloren hat war unübersehbar. Man hat den Kader bewusst so konstruiert und es ist schief gegangen.