Maradona ist verstorben


Barea

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Klar, wenn man wie du wiederholt am Thema vorbeiliest.
Das Thema ist doch nicht, dass sich der Fußball (noch) weiter kommerzialisiert hat in den letzten 30 Jahren. Natürlich hat er das. Und natürlich fließen die Erträge dann auch zu denen, die sie erwirtschaften.

Die Frage ist doch vielmehr, ob für ein Otto-Normalverbraucher Maradonas Gehalt aus 1987 volksnaher war als das Gehalt von Messi in 2020. Hier Maradona als Projektionsfläche des "Arbeiter-Fußballs" und des verarmten Süditaliens und Südamerikas zu sehen, funktioniert nur, wenn man die Augen davor verschließt, dass er eben bereits in den 80er Jahren Millionengehälter bekam. Finanziert durch die Mafia, garniert mit Koks und Nutten. Kann man geil finden, muss man aber nicht.
 

Francois

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Maradona war schon absolute Ausnahme. Respekt davor. Die WM86 zu erwähnen verstehe ich aber nicht ganz. Das war für mich die unsportlichste ekelhafteste Truppe die je Weltmeister geworden ist. Absichtlich es Tor mit der Hand , provozieren ohne Ende, hinlegen um im WM Finale zu gewinnen. Fand das einfach unterste Schublade. Seine Leistung mit Neapel war außerirdisch.

Sehe übrigens Matthäus auf einer Stufe mit Maradona. Da bin ich wohl eher die Ausnahme aber die beiden sind für mich die absolute Elite bis heute.
 

Eric

Maximo Lider
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Matthäus wird in Deutschland heute, da die meisten jüngeren Leute ihn nur noch aus dem Boulevard kennen, etwas unterschätzt. Es hat seit dem keinen deutschen Spieler mehr gegeben, der auch nur ansatzweise die gleiche Bedeutung im internationalen Fußball hatte.

Aber auf dem Niveau von Maradona war er sicher nicht. Es hat teilweise auch mit unglücklichen äusseren Umständen zu tun, aber es fiel doch schon auf, dass Matthäus, wenn es um die Wurst ging, eher abgetaucht ist, oder unglücklich agiert hat (Endspiele gegen Porto und Manchester, lässt Brehme den Elfer im WM-Finale schiessen, Elfmeterschiessen mit Gladbach gegen Bayern und mit Bayern gegen Bremen).
 

Bombe

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Was soll bei Maradona so schwierig sein. Überführt wegen Doping, Kokain im Urin nachgewiesen, verurteilt wegen Besitz und Weitergabe von Drogen, Schüsse auf Journalisten und eine minderjährige geschwängert. Da gibt es rein gar nichts zu romantisieren. Eine Massenschlägerei auf dem Platz anzuzetteln :gitche: In der heutigen Zeit wäre Maradona , egal welch herausragender Kicker er war, in Europa lebenslang nicht mehr spielberechtigt gewesen.

Ich kann mich noch erinnern, was auf Henry nach seinem Handspiel gegen Irland eingeprasselt ist. Bei Maradona war es die Hand Gottes. :crazy:

Sein sportlichen Fähigkeiten stehen für mich in keiner Weise zu Disposition.
Wenn man es ganz nüchtern betrachtet, ist diese Sichtweise durchaus legitim. Aber - wir (also die Gesellschaft) huldigen doch permanent Leuten, die irgendwo nicht Mainstream sind. Ein Lahm z.B. - der eigentlich ein Spiegelbild der (deutschen) Gesellschaft darstellt - der wird nicht geliebt, ja im Grunde abgelehnt.. Wir wollen Götter sehen, die anders sind als wir.
Maradona ist im Grunde Rock'n Roll. Der erfüllt alle Klischees eines Rock'n Roll Stars. Und war nebenbei ein Genie in dem, was er hauptberuflich tat. Würde Messi so ein Leben führen - wäre er doch längst "der Beste aller Zeiten". Ich glaube einfach, das Auf und Ab was Maradona begleitet hat, ist das, was die Leute anzieht. Neben hat er - anders als Loddar - immer Verantwortung übernommen (auf dem Feld) und auch in den entscheidenden Spielen was entscheidendes gemacht (mal abgesehen vom Finale 90). Er wurde getreten wir kein Anderer zuvor (ich muss bei Neymar immer dran denken, wie der über den Platz rollen würde, wenn er das erleben würde, was Diego erlebt hat), der wurde in Spanien und Italien regelrecht gejagt und hat sich nicht unterkriegen lassen, im Gegenteil, man hatte den Eindruck, jedes Mal wenn er aufsteht, wird er noch besser - das lieben die Leute. Und so wurde er verehrt und behandelt wie ein Rockstar und hat dann auch so gelebt. Muss man alles nicht für gut finden aber erklärt vielleicht, warum er so eine Bedeutung hat.

Hab mir jetzt mal 2 Dokus über ihn angesehen und gewisse Dinge waren mir gar nicht (mehr) bewusst. Alleine das Dilemma 90, das HF in Neapel (!) gegen ITA - hatte ich echt vergessen. Die Nähe zur Camorra, die brutale Hatz der Paparazzi, sein mehr als zwielichter Berater - das Theater um sein uneheliches Kind (die Mutter durfte im Fernsehen allen Ernstes einen Lügendetektor Test machen und ein FBI Mann hat ausgewertet - kannst du dir alles nicht ausdenken) alles Dinge, die ich so nicht mehr auf dem Radar hatte. Dabei wollte er im Grunde nur Fußball spielen. Und das konnte er wie kein Zweiter.

Ich hab Pele nicht gesehen und bei Cruyff und Beckenbauer war ich noch ein kleines Kind. Die kann ich nicht recht bewerten - für mich war Maradona jedenfalls der mit abstand beste, geilste, größte Fußballer der letzten 40 Jahre. Und ich hab ihn immer "geliebt und gehasst" (sofern man das für einen Menschen, den man nicht kennt, tun kann). Ich hab ihn gefeiert für sein Jahrhundert Solo gegen England ich hab ihn (virtuell) ausgelacht, als er 90 von Buchwald kaltgestellt wurde und DEU den Titel holte. Ich hab ihn im Stadion bejubelt als er seine Aufwärm-Show in München absolvierte und hab ihn dann während des Spiels beschimpft, als er meinen geliebten FCB die Grenzen aufzeigte.
Ich hab ihn verdammt, als er Thomas Müller aus dem Interview Raum scheuchte und hab ihn wieder ausgelacht, als ihm jener Müller bei der WM zeigte, wer er ist. Und fand seinen Auftritt im Grünwalder Stadion, als Zigarre rauchend seine Mannschaft trainierte, einfach nur genial.

Genie und Wahnsinn - diese Floskel trifft bei ihm auf den Punkt. Einfach 100% Rock'n Roll. Und dafür hab ich ihn einfach gemocht.
 
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Gast_481

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Wenn man es ganz nüchtern betrachtet, ist diese Sichtweise durchaus legitim. Aber - wir (also die Gesellschaft) huldigen doch permanent Leuten, die irgendwo nicht Mainstream sind. Ein Lahm z.B. - der eigentlich ein Spiegelbild der (deutschen) Gesellschaft darstellt - der wird nicht geliebt, ja im Grunde abgelehnt.. Wir wollen Götter sehen, die anders sind als wir.

Spannend. Ich denke genau das Gleiche wie du und hätte es genau umgekehrt formuliert. Ich seh es so, dass die Profifussballer heute in einer geschützten Bubble/Parallelwelt leben, die uns "Normalos" völlig fremd erscheint. Alles ist durchgeplant, durchorganisiert, jeder kümmert sich um dich und deine Angelegenheiten. Das ist für mich eben auch ein Philipp Lahm. Saubermann, der es gut mit der BILD hatte, damit ja nie irgendeine Schwachstelle ans Licht kommt. Die Karriere wirkt wie auf dem Reissbrett entworfen, inkl. Biographie die irgendwie ein erzwungener Skandal für mehr Street Credibility sein sollte. Identifikationsfaktor = 0.

Bei Maradona hingegen denkt man eher, das könnte jedem von uns passieren, wenn er plötzlich von Null auf 100 geht, aus dem Nichts mit Geld zugeschissen wird, mit Boulevardpresse umgehen können muss, Camorra etc. Drogen um der Realität zu entfliehen. Maradona wirkt vom anderen Stern und doch wie "einer von uns normalen Menschen", der halt in die Situation kam, weil er gut kicken konnte und mit dem ganzen Drumherum nicht umgehen konnte. Anders als die PR-Profis von heute.
 

Ricard

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Würde Messi so ein Leben führen - wäre er doch längst "der Beste aller Zeiten"

... würden alle Medien ihn ausnahmslos zerreißen und er wäre mehrfachen Dopings permanent gesperrt. Die Aussage kannst Du doch noch ernst meinen. Natürlich kann nicht jeder Superrstar aus Verhältnissen wie Kaka stammen, aber ich verstehe das ständige relativieren nicht. Weitergabe von Drogen, Beziehungen zur Mafia usw. Maradona ist ein Doper und Straftäter, nicht mehr und nicht weniger.
 

Super-Grimm

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… als da wären Wachstumshormone und Steuerhinterziehung... was mir aber auch egal ist. Man wird bei jedem etwas finden können.

Zum Thema Doping: Das wird doch im Fußball gar nicht ernsthaft verfolgt. Maradona wäre auch nie erwischt worden, wenn er nicht in gewissen Kreisen in Ungnade gefallen wäre.

Maradona der Dealer: Wie habe ich mir das vorzustellen? Maradona auf dem Schulhof, wie er kleine Kinder anfixt?
 

Ricard

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Wusste hat nicht, dass Wachstumshormone für Kinder in irgendeiner Art strafrechtlich relevant wären, von Doping ganz zu schweigen.

Maradona wurde 2 mal wegen Doping gesperrt, was natürlich ne Verschwörung war.

Verurteilt wegen Weitergabe von Drogen. Gibt wahrscheinlich genug Möglichkeiten. Die Schulhof Polemik ist :crazy:
 

Gravitz

Lehny die Hohle Hupe
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Das mit dem Doping sehe ich jetzt auch nicht als sonderlich "tragisch" an. Es wäre doch naiv zu glauben, dass im Profisport heutzutage nicht gedopt wird.

Maradona habe ich nie miterlebt, deswegen kann ich auch wenig zu seiner fußballerischen Klasse oder irgendwelchen Verfehlungen sagen. Da helfen auch keine Top 50 skills Videos, die gibt es von adel taraabt oder bolasie in der form auch. ;)

Dieses negative Image vom pr profi heutzutage kann ich aber nicht ganz nachvollziehen. Ist doch nichts verwerfliches dran, wenn man einfach sein Geld einstreichen und seine Ruhe haben möchte.
 
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Gast_481

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... würden alle Medien ihn ausnahmslos zerreißen und er wäre mehrfachen Dopings permanent gesperrt. Die Aussage kannst Du doch noch ernst meinen. Natürlich kann nicht jeder Superrstar aus Verhältnissen wie Kaka stammen, aber ich verstehe das ständige relativieren nicht. Weitergabe von Drogen, Beziehungen zur Mafia usw. Maradona ist ein Doper und Straftäter, nicht mehr und nicht weniger.

Doping wird im Fussball medial ziemlich unter den Tisch gekehrt. Wo zerreissen die Medien den Doper Guardiola? Oder wusstest du noch, dass Rio Ferdinand eine Dopingsperre absitzen musste? Jaap Stam? Kolo Touré? Deco? Die Sperren bei all diesen Leuten waren teilweise auch lächerlich kurz. Und medial wird selten ein grosser Trara gemacht, wenn überhaupt. Das sind btw nur die Fälle, die überführt wurden. Dass Didier Dechamps und Marcel Desailly geäussert haben, dass ihnen Tapie zu Marseille-Zeiten irgendwelche Tabletten in der Kabine gereicht hat und gesagt hat, das seien Vitamine (hat das Zeug sogar vor ihnen selbst geschluckt) war auch schon in mehreren Artikeln zu lesen. So eine Skandalisierung wie bei Maradona ist eher die Ausnahme als die Regel. Was nicht bedeuten soll, dass das gut ist. Aber so ist aktuell der Stand der Dinge im Fussball.
 

Kinski

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Wusste hat nicht, dass Wachstumshormone für Kinder in irgendeiner Art strafrechtlich relevant wären, von Doping ganz zu schweigen.

Maradona wurde 2 mal wegen Doping gesperrt, was natürlich ne Verschwörung war.

Verurteilt wegen Weitergabe von Drogen. Gibt wahrscheinlich genug Möglichkeiten. Die Schulhof Polemik ist :crazy:


weitergabe von drogen und handel sind aber ganz verschiedene dinge 🤷‍♂️
 

Ricard

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Gedopt wird immer und überall. Pep pflegt nebenbei auch wirtschaftliche Beziehungen zu komischen Staaten.

Wer sich erwischen lässt ist selbst schuld. Die Doping Storys kenne ich. Wiederholungstäter sind mMn aber ein anderes Kaliber.
 
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Gast_481

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Gedopt wird immer und überall. Pep pflegt nebenbei auch wirtschaftliche Beziehungen zu komischen Staaten.

Wer sich erwischen lässt ist selbst schuld. Die Doping Storys kenne ich. Wiederholungstäter sind mMn aber ein anderes Kaliber.

Also ist Maradona doof, weil er sich im Gegensatz zu anderen zweimal hat erwischen lassen?
 

Bombe

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... würden alle Medien ihn ausnahmslos zerreißen und er wäre mehrfachen Dopings permanent gesperrt. Die Aussage kannst Du doch noch ernst meinen. Natürlich kann nicht jeder Superrstar aus Verhältnissen wie Kaka stammen, aber ich verstehe das ständige relativieren nicht. Weitergabe von Drogen, Beziehungen zur Mafia usw. Maradona ist ein Doper und Straftäter, nicht mehr und nicht weniger.
Was ist denn daran ein "relativieren"? Abgesehen davon, dass du genau weißt, was dopingmäßig in der Sportwelt abgeht - ich relativiere doch nix. Du kannst ja gerne so ein Gebaren für Dich ablehnen. Ich hab ja nur versucht zu erklären, warum die Menschen solche Leute verehren. Wenn es nach Dir ginge müssten sich die Rolling Stones längst aufgelöst haben, die Beatles werden im Nachgang zu Drogisten erklärt, Bowie hätte kein Star sein dürfen, Lemmy auch nicht und die ganzen Suffköpfe in der Politik hätte es nie geben dürfen. Was bleibt dann? Damen Kegeln, Helene Fischer und Donald Trump - der Rest ist nicht tragbar... Herzlichen Glückwunsch in dieser Welt...
 

Ghost

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Maradona hat doch mit der (wahrscheinlichen) Dopingproblematik im Fußballnichts zu tun sondern sind ein Spiegelbild seines Lebens.
Die erste Dopingsperre war auf Grund von Kokain und hatte auch eine Freiheitsstrafe auf Bewährung zur Folge.
Der Dopingfall bei der WM war doch u. a. auf ein Mittel zur Gewichtsabnahme.
Maradona war kokainabhängig, ob als Flucht vor der ihn überfordernden Realität oder als Ausdruck seiner "Partylaune" kann ich nicht beurteilen und maße mir kein Urteil an. Jedenfalls war der positive Befund die Folge der Sucht und nicht Zweck der Leistungssteigerung.

Bei der WM hat Maradona mir aller Macht versucht, wieder in Form zu kommen, deswegen dieser nicht zu vertuschende Mix. Das war der Versuch wieder das zu tun, was er, wie nur wenige vor, während und nach seiner Zeit, sehr gut konnte und worin er sicherlich einen Großteil (wahrscheinlich absoluter Hauptanteil) seines Lebensinhalts sah. Da natürlich Leistungssteigerung, aber doch noch eher, um sich nicht zum Gespött zu machen.
 

Ricard

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@Bombe Ich verstehe Dich schon. Aber für mich gibt es einen Unterschied, ob ein Musiker vollgedröhnt auf der Bühne rumspringt oder jemand bei einer Mannschftssportart vollgeballert ist.
 
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