Selbst in den Runden, die man Usyk hätte geben können, sah er nicht nach dem Boxer aus, der gerade die Runde gewinnt. Insgesamt machte er mir den Eindruck von einem, der am Anfang eines Trainingslagers unmotiviert ein Sparring absolviert, unaustrainiert, langsam, fahrig und mit der Ausstrahlung von jemandem, der gerad lieber bisschen Balkon chillen und Blaumeisen füttern würde. In den meisten Runden sah er aus, als würde er sich mitten im Kampf, in jedem einzelnen Schlag zur Ruhe setzen. Jeder Schlag sah nach "Will nich mehr, will nich mehr, will nich mehr" aus. Aber was er noch weniger wollte, war zu verlieren, und so hat er zuletzt doch noch den boxerischen Qualitätsunterschied zu Verhoeven geltend gemacht. Der Abbruch war natürlich Katastrophe, aber wenigstens hat man noch mal (wenn auch nur kurz) gesehen, wie ein Kampf hätte aussehen können, wenn Usyk voll austrainiert und voll motiviert gewesen wäre. Vielleicht ist er das wieder im nächsten Kampf, daher würde ich ihn nicht abschreiben oder schon jetzt, aufgrund eines einzelnen Auftritts, als washed ansehen. Aber über weite Strecken des Kampfes hab ich fast mitleidig auf ihn gesehen. Ich würde ihm einen würdigen Absprung gönnen. Entweder durch einen nächsten überzeugenden Kampf oder durch die Einsicht: Komm, das war's, warum noch mal quälen usw. Und weil für jeden auch ersichtlich war, dass wir hier nicht Prime Usyk gesehen haben, würde ich durch diesen Kampf auch nicht seine Legacy angekratzt sehen. Wahrscheinlich hätte es in der folgenden Runde eh weitere Möglichkeiten für einen Abbruch gegeben - und die man, im Sinne des Sports, auch hätte nutzen sollen statt dieses überhasteten Endes, das mal wieder komplett unwürdig war.