Hm, ich finde jemanden, der auf einer komplett freien Autobahn mit vielleicht 120 km/h konstant die Mittelspur entlang juckelt, maximal albern, aber nicht besorgniserregend.
Bei normalem Verkehrsaufkommen halte ich so etwas sogar für sinnvoll, denn kaum etwas ist nerviger als ein notorischer Rechtsfahrgebotbeachter, der ständig zwischen LKW-Lücken und der mittleren Spur hin und her zuckt und dem entspannt im Verkehrsfluss der Mittelspur Reisenden die Sicherheitsabstände zufährt.
Außerdem - wer auf einer dreispurigen Autobahn mit Mittelspurbenutzern nicht klarkommt, sollte sich mal fragen, ob seine Fahrkünste ihn denn überhaupt befähigen, eine zweispurige Autobahn zu benutzen.
Im Zweifel gilt: Links vorbei und fertig is'. Funktioniert zumindest für mich verblüffend gut.
Ich sehe das anders, und ich nehme mal das Wochenende als Beispiel, wenn so gut wie keine LKWs unterwegs sind: Man kann in der Situation ohne das ständige "Zucken" rechts fahren, aber viele machen es trotzdem nicht, und das bemerke ich auf jeder meiner typischen Fahrten (um die 200 Kilometer Strecke) sicher gut 10-20x.
So schnell wie früher fahre ich selbst auch nicht mehr (lange Zeit hätte mich das mit 180+ auch nicht gestört, denn da klebte ich zwangsweise - vor allem wegen der notorischen Mitte-Fahrer - meistens auf der linken Spur, weil ich nach wenigen Sekunden eh wieder hätte zurückwechseln müssen, und so viele Wagen, die noch schneller fuhren, gab es selten - das gab schon der Verkehr kaum her).
Also ist die Situation jetzt so, dass ich (inzwischen meistens mit 110-130 unterwegs) fürs Überholen eines in der Mittelspur mit oft gerade mal 100 km/h dahinzuckelnden Wagens gleich zwei Spuren wechseln muss. Problematisch ist es selten, weil ich den rückwärtigen Verkehr per Spiegel ständig beobachte und genug Erfahrung habe, um die Geschwindigkeiten von anderen Wagen gut einzuschätzen, und im Zweifelsfall bremse ich lieber und bleibe hinter dem langsamen Wagen auf der Mittelspur, als dass ich ausschere und einen Wagen mit hohem Geschwindigkeitsüberschuss zu einer Vollbremsung zwinge.
Diese jetzt beschriebene Situation ist aber völlig unnötig. Der langsame Wagen könnte kilometerweit rechts fahren, ich selbst könnte ihn leicht ohne Geschwindigkeitsveränderung mit einem einfachen Spurwechsel überholen und wieder zurück nach rechts gehen, und jeder Raser hätte immer noch genug Platz, um ebenfalls ohne Geschwindigkeitsveränderung weiterfahren zu können.
Und man kann sich ja denken, dass hier das Risiko durch jede kleine Unkonzentriertheit direkt um einiges größer wird, als wenn sich alle ans Rechtsfahrgebot halten und so weniger Bremsungen und Lenkungen verursachen würden.
Die Regel gibt es nicht umsonst. Ja, man kann sich über die Maßen hineinsteigern, aber mich regen Menschen, die ohne Sicht auf die Dinge immer mit "geht doch auch so" und "Mann, wen stört das denn?" oder gar "ich verstehe das Problem gar nicht" kommen, grundsätzlich auf. So schwer kann es doch gar nicht sein, mal etwas nachzudenken oder sich selbst bei fehlendem Verständnis wenigstens einfach so an Regeln zu halten. Und die besagen nunmal, dass man rechts zu fahren hat, beim Überholen deutlich schneller sein zu müssen und - so wird es heute beurteilt - auch rechts in Lücken zu fahren, sofern man nicht innerhalb von etwa 20 Sekunden wieder einen weiteren Wagen überholen wird.