Ich finde, wenn Spieler sofort nach einer grandiosen Saison wechseln, bleibt immer ein fader Beigeschmack. Und ich finde auch nicht, dass dies gerade von großem Selbstbewusstsein zeugt. Ganz im Gegenteil. Sieht mir persönlich zu sehr nach "Jetzt oder nie" aus. Große Spieler haben so was nicht nötig. Sahin hat dem BVB eine Menge zu verdanken. Gleich bei der erstbesten Gelegenheit abzuhauen wäre eine ziemlich armselige Aktion und ich hoffe inständig, dass die Fans ihm das in den letzten Wochen der Saison auch klar machen, sollte der Wechsel tatsächlich am Montag offiziell verkündet werden. Vor allem auch aufgrund seiner vorher getätigten Aussagen.
Sahin hat dem BvB eine Menge zu verdanken? Er ist verdammtnochmal einer der wichtigsten Bestandteile des Teams, die dieser Stadt gerade das vielleicht schönste Jahr ihrer Fußballhistorie geschenkt hat. Mehr zurückzahlen kann man als Fußballer gar nicht.
Nebenbei hat er sich vor Jahren schonmal pro BvB entschieden, nachdem der ihn praktisch schon abgeschrieben und nach Holland verschickt hatte. Für die 10, 12 oder wieviel Millionen auch immer, die Real jetzt für ihn zahlen wird, hätten die meisten ihn damals und selbst vor einem Jahr noch höchstpersönlich in Geschenkpapier eingepackt und zur Post gebracht.
Was auch immer passieren wird, es ist seine eigene Entscheidung, wie er seine Karriere, sein Leben plant. Da hat überhaupt niemand das Recht, ihm da reinzuquatschen oder das zu bewerten. Diese Entscheidung ist ihm sichtlich nicht leicht gefallen, das hat man ihm in den letzten Wochen doch angemerkt. Sie ist auch nicht über Nacht gefallen, sonst hätte er sich mit Berater, BvB und Co von vornherein auf einen Kurs verständigt und hätte den durchgezogen.
De facto hat er auch nirgendwo gelogen. Man kann ihm ein, zwei unglücklich formulierte Andeutungen attestieren, das wars.
Ich kann mir gut vorstellen, dass er so manchen Kommentar der letzten Wochen losgelassen hat, als praktisch noch gar nichts entschieden war. Oder das Pendel sogar tatsächlich noch in eine andere Richtung ausschlug. So cool und eloquent er auch wirkt: Der Junge ist 22 Jahre alt und kämpft seit Wochen mit der folgereichsten Entscheidung seines noch jungen Lebens. Wenn einem da im Fernsehinterview am besten noch direkt vor der gelben Wand mal ein Nebensatz zu viel rausrutscht - mein Gott.
Diese Entscheidung nicht zu respektieren ist das eine, sie nicht zu akzeptieren und ihn dafür jetzt auch noch abstrafen zu wollen, ist das andere. Und zwar das allerletzte!