Viele Fans und Mitglieder hat das mit ihrem Klub versöhnt. Die Stimmung im Verein und auch im Stadion ist weiterhin erstaunlich gut. Von der sportlichen Performance der Mannschaft hat sie sich weitgehend emanzipiert.
In der Öffentlichkeit ist dadurch der Eindruck einer gefährlichen Ambitionslosigkeit entstanden. Diese ergibt sich allerdings nicht zwingend aus dem „Berliner Weg“ als solchem; sie liegt eher daran, dass es bei Hertha an einer echten Leistungskultur und bindenden Zielvorgaben fehlt.
Fragwürdige Vertragsverlängerungen
Bestes Beispiel dafür sind die Personalien Benjamin Weber und Andreas „Zecke“ Neuendorf. Bereits im vergangenen Sommer hat der Klub entschieden, die Verträge des Sportdirektors und des Direktors Lizenzspielerabteilung und Akademie zu verlängern. Normal wäre es gewesen, zunächst einmal die Entwicklung in der neuen Saison abzuwarten – und dann die Arbeit der sportlichen Führung zu bewerten.
Inzwischen würde das Urteil zu Weber und Neuendorf jedenfalls deutlich kritischer ausfallen. Der Absturz der Mannschaft ist auch auf die mangelhafte Transferpolitik Webers zurückzuführen: Der Kader hat keine gute Struktur, auf offenkundige Schwächen wurde nicht adäquat reagiert.
Klare Ziele, echte Leistungskultur in allen Ressorts: Darum geht es.
Und auch im Nachwuchs, den Neuendorf verantwortet, gibt es nicht zu übersehende Fehlentwicklungen. Die Erfolge von Herthas U-Teams sind kein Selbstläufer mehr. Die U 19 hat ihre jüngsten beiden Spiele 1:6 und 0:3 verloren, und „in drei, vier Jahren kommt da nichts mehr nach“, sagt jemand aus der Vereinsführung.
Viel zu lange hat Hertha den Eindruck einer gewissen Genügsamkeit wabern lassen, hat es zum Beispiel versäumt, mit aller Macht deutlich zu machen, dass man unbedingt in die Bundesliga zurückwill. Daran hätten sich alle Beteiligten messen lassen können – und müssen. Stattdessen lautete das Saisonziel: Wir schau’n mal, wie’s so läuft … So spielt die Mannschaft inzwischen auch.(....)